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Die Versorgung der Bevölkerung
mit Trinkwasser in der nordfriesischen Marsch war bis in die
30-iger Jahre unseres Jahrhunderts kein ernsthaftes Problem.
Die seit Jahrhunderten geübte Art der Wasserbeschaffung
war in der Marsch nichts außergewöhnliches. Wasser
war meistens genügend vorhanden, im Herbst und Winter
sogar mehr als genug.
Entnommen wurde das Wasser entweder
aus dem Sielzug, aus besonders eingefriedigten Kuhlen, oder
wenn sich jemand eine Zisterne leisten konnte, wurde es daraus
geschöpft. In manchen Häusern gab es Pumpen, die
das Wasser von der Kuhle, aus dem Sielzug oder der Zisterne
direkt ins Haus förderten. Hygienisch einwandfrei war
das Wasser in keinem Fall. Es wurde deshalb nur abgekocht
oder als Tee getrunken (manchmal half der "Geele Köm"
zur besonderen Desinfektion). Das Schlagen eines Brunnens,
wie es in der Geest gemacht wurde, hatte in der Marsch keinen
Sinn, weil dort nur Brack- und Salzwasser gefördert werden
kann. Mitte der 30-iger Jahre entstanden die ersten Pläne
einer zentralen Trinkwasserversorgung im nordfriesischen Raum.
Der zweite Weltkrieg verhinderte jedoch die Realisierung.
Nach dem zweiten Weltkrieg war die
Bevölkerung unseres Raumes durch Vertriebene und Evakuierte
praktisch verdoppelt. Mit der Verdoppelung der Bevölkerung
verdoppelte sich auch der Anfall an Abwasser. Kläranlagen
gab es nicht; das Abwasser floß ungeklärt in Gräben
und Sielzüge der Marsch. Die biologische Selbstreinigung
des Grabenwassers bis zur Entnahme als Trinkwasser war nicht
mehr gegeben. Hinzu kam ein weiters Problem: der Verlust der
mittel- und ostdeutschen Kulturlandflächen mußte
mit allen Mitteln ausgeglichen werden. In unserem Raum dadurch,
daß durch Senkung des Wasserspiegels (Schöpfwerke)
die Qualität der niedrigen Ländereien gesteigert
werden sollte. Damit entzog man der Marschbevölkerung
praktisch das natürliche - wenn auch nicht mehr saubere
- Wasser. Es blieb nur eine Lösung; die Marschbevölkerung
mußte mit guten Trinkwasser aus der hohen Geest versorgt
werden. Dies war die Existenzvoraussetzung für die Marschbewohner
überhaupt.
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